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KIRAS Sicherheitsforschung

F&E-Dienstleistungen > 2020

FRALTERNA

Evaluation der Anwendungspraxis von Freiheitsbeschränkungen und alternativer Maßnahmen bei Gefährdungslagen in Heimen

Ausgangssituation, Problematik und Motivation: Freiheitsbeschränkungen in Pflege und Betreuungseinrichtungen für Menschen mit Behinderungen oder psychischer Erkrankung zur Abwehr einer Selbst- oder Fremdgefährdung (d.h. Gefährdung dritter Personen) sind Maßnahmen staatlicher Zwangsgewalt und stellen gravierende Eingriffe in die Grund- und Menschenrechte dar. Seit 2005 regelt und beschränkt das Heimaufenthaltsgesetz (HeimAufG) in institutionellen Wohn- und Betreuungsformen solche Eingriffe und erklärt deren Reduktion auf ein möglichst niedriges Ausmaß zum Ziel. Hierzu wurde u.a. die außergerichtliche Rechtsschutz- und Kontrollinstitution der Bewohnervertretung geschaffen. Die vorliegenden Daten machen deutlich, dass eine hohe Anzahl von Personen in Einrichtungen der Pflege und Unterstützung von Freiheitsbeschränkungen betroffen ist. Zugleich zeigen sich große Unterschiede zwischen Ländern, Regionen und Einrichtungen. Die rechtlichen Vorgaben stoßen auf unterschiedliche regionale und institutionelle Strukturen und Kulturen, von denen die Anwendungspraxis von Freiheitsbeschränkungen sowie eine nachhaltige Förderung von schonenderen Alternativen entscheidend abhängen. Wissenschaftliche Studien über das Ein- und Zusammenwirken rechtlicher, institutioneller/organisationaler, fachlicher, sozioökonomischer, kultureller u.a. Faktoren, deren Effekte auf den Einsatz von Freiheitsbeschränkungen sowie die Auswirkungen auf die Lebenssituation und Sicherheitslage der BewohnerInnen liegen für Österreich nur ungenügend vor.

Ziele und Innovationsgehalt: Die geplante Studie greift dieses Forschungsdesiderat auf und stellt insbesondere die außerrechtlichen Faktoren, die von essenzieller Bedeutung für die mit dem HeimAufG erzielbaren Effekte sind, sowie die Tätigkeit der Bewohnervertretung ins Zentrum der sozialwissenschaftlichen Untersuchung. Sie hat zum Ziel,

  • wissenschaftliche Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wie unter den spezifischen Rahmenbedingungen des HeimAufG Freiheitsbeschränkungen in unterschiedlichen Heimtypen zum Einsatz kommen, kontrolliert werden und durch schonendere Alternativen reduziert werden können.
  • Die Ergebnisse sollen zum bestmöglichen Schutz der betroffenen Personen vor unzulässiger Freiheitsbeschränkung unter Sicherung der Abwehr ernstlicher und erheblicher Gefährdungen beitragen. Die Einrichtungen werden bei der Realisierung der rechtlichen Vorgaben sowie hoher ethischer und fachlicher Standards unterstützt. Die Kontrollorgane gemäß HeimAufG (v.a. Bewohnervertretung, aber auch Gerichte etc.) können ihre Prüftätigkeit evidenzbasiert weiterentwickeln.

Angestrebte Ergebnisse und Erkenntnisse

  • Forschungsbericht mit umfassenden evidenzbasierten Erkenntnissen zur Anwendungspraxis von Freiheitsbeschränkungen und Alternativen in Heimen
  • Handlungs-/Umsetzungsempfehlungen für Einrichtungen, Fachkräfte, Prüforgane, RichterInnen, Trägerorganisationen und andere relevante Stakeholder
  • Maßnahmenbündel zum nachhaltigen Praxistransfer der Ergebnisse (Workshops, kooperative Wissensbildung, Fortbildungsmaßnahmen etc.)

Projektleiterin:

Dr. Hemma Mayrhofer, IRKS – Institut für Rechts- und Kriminalsoziologie

ProjektpartnerInnen:
Bundesministerium für Justiz (BMJ)
Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (BMSGPK)
VertretungsNetz
NÖ Landesverein für Erwachsenenschutz (NÖLV)
Erwachsenenvertretung Salzburg
Lebenswelt Heim – Bundesverband

Kontakt:
Dr. Hemma Mayrhofer
IRKS – Institut für Rechts- und Kriminalsoziologie
Museumstraße 5/12
A-1070 Wien

Tel.: 01/ 526 15 16-20
E-Mail: hemma.mayrhofer@irks.at
URL: www.irks.at