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KIRAS Sicherheitsforschung

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F&E-Dienstleistungen > 2018

SiGit – Sicherheit hinter Gittern

Das Projekt zielt darauf ab, das Phänomen der Gewalt in Österreichs Gefängnissen mittels Repräsentativbefragung und vertiefenden Interviews mit Betroffenen und ExpertInnen umfassend zu erforschen, um das tatsächliche Ausmaß von Gewalt hinter Gittern erstmals zu beziffern, um Bedingungsfaktoren für die Entstehung von Gewalt in Haft zu eruieren und daraus Präventionsstrategien zu entwickeln. Das Projekt wird als F&E Dienstleistung im Forschungsprogramm KIRAS gefördert.

Angesichts des hohen Insassenstands, der vielen psychisch beeinträchtigten Häftlinge, des hohen Ausländeranteils und zuletzt gestiegener Zahlen zu Gewalt im österreichischen Justizvollzug sind Maßnahmen, die die Sicherheit im Gefängnis gewährleisten bzw. erhöhen, von hoher Dringlichkeit. Internationale Studien zeigen, dass Gewalt im Gefängnis keine Ausnahme, sondern vielmehr ein weit verbreitetes Phänomen ist. In Österreich stiegen zuletzt sowohl die Zahl der gemeldeten Raufhandel unter Insassen als auch die Angriffe auf das Strafvollzugspersonal. Unabhängig von diesen Steigerungen, die auch auf eine veränderte Meldepraxis und auf den Anstieg bestimmter, besonders sichtbarer Formen von Gewalt zurückzuführen sein könnten, ist von einem sehr großen Dunkelfeld auszugehen, da viele Übergriffe nie gemeldet werden. Bisher gibt es hierzulande jedoch keine systematische Untersuchung, die Hell- und Dunkelfelddaten erfasst und mit den Kennzahlen unterschiedlicher Anstalten, Haftformen und Personengruppen in Beziehung setzt. Auch aus Sicht der Strafvollzugsverwaltung ist es daher dringend notwendig, das Ausmaß und die Kontextbedingungen von Gewaltvorfällen in Österreichs Gefängnissen umfassend zu erforschen, um gezielt gegensteuern zu können.

Ziel des Projekts ist es, das Phänomen von Gewalt im Gefängnis erstmals für Österreich umfassend zu untersuchen und evidenzbasierte Grundlagen für adäquate Präventionsstrategien zur Verfügung zu stellen. Studien aus anderen Ländern können nur eingeschränkt für den spezifisch österreichischen Kontext herangezogen werden, da diese zeigen, dass sich die Prävalenzraten einzelner Anstalten sehr unterscheiden und daher nach kleinräumigen, kontextspezifischen Erklärungen verlangen.

Im Ergebnis soll die Studie erstmals repräsentative Daten zur Prävalenz von Gewalt in Österreichs Haftanstalten liefern. Diese Ergebnisse werden mit Informationen über gewaltbegünstigende Rahmenbedingungen, involvierte Personen(gruppen) und Kennzahlen über Haftanstalten verknüpft. Einschätzungen von ExpertInnen, etwa aus der Einsatzgruppe, fließen ebenso in die Analyse mit ein wie nationale und internationale Erfahrungen mit innovativen Lösungen (Good Pratices): Welche organisatorischen und sicherheitstechnischen Maßnahmen, die auch in Österreich eingesetzt werden könnten, bewähren sich in der Praxis, da sie Gewaltvorfälle zu verhindern bzw. ihre Aufklärung zu forcieren in der Lage sind? Was zeichnet ein modernes Haftmanagement aus, das körperliche und seelische Schutz-, aber auch Risikofaktoren berücksichtigt? Auch der innerösterreichische Vergleich von Anstalten mit unterschiedlich hohen Gewaltraten – nicht in Form eines Rankings, sondern ausschließlich zu Analysezwecken – wird Ansatzpunkte liefern, welche Faktoren Gewalt in Haft begünstigen und welche diese verhindern. Durch die enge Kooperation mit dem Bedarfsträger und ein eigenes Arbeitspaket, das sich der Anbindung der wissenschaftlichen Ergebnisse an die Praxis widmet, soll die Praxisrelevanz und -wirksamkeit des Projekts sichergestellt werden. 

Dr. Veronika Hofinger, Institut für Rechts- und Kriminalsoziologie in Kooperation mit dem Bundesministerium für Verfassung, Deregulierung, Reformen und Justiz 

Kontakt
Dr. Veronika Hofinger
Museumstr. 5/12 1070
Wien

Tel: 01/ 5261516-26
veronika.hofinger@irks.at 
www.irks.at