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KIRAS Sicherheitsforschung

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Auf Nummer sicher gehen

Nach 9/11 wurde die Sicherheitsforschung erfunden, die derzeit in Europa, unterstützt durch zahlreiche Förderprogramme, boomt Auch in Österreich - über das entsprechende Programm "Kiras" werden bis 2013 insgesamt 105 Millionen Euro locker gemacht. 

"Österreich war das erste Land in der EU, das ein derartiges nationales Programm vorgelegt hat", weiß Gernot Grimm, Leiter der Stabsstelle für Technologietransfer und Sicherheitsforschung im Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT). Nicht um 'Safety' ging es beim österreichischen Sicherheitsforschungsprogramm Kiras, sondern um 'Security'. "Der Unterschied lässt sich nur auf Englisch so genau ausdrücken", sagt Grimm. Hier dreht sich nichts um militärische Forschung, sondern um zivile Projekte. Grimm: "Es geht darum, auch bei Bedrohungen die Grundfunktionen des Staates aufrechtzuerhalten - um die Abwehr von Terrorismus, Sabotage und Naturkatastrophen." Interessant schien der verbesserte Schutz der Bereiche Verkehr, Gesundheit, Energie, Wasser und Lebensmittel sowie der Informations- und Kommunikationstechnologien.

Kiras kommt bei den österreichischen Unternehmen, die sich in den vier Programmlinien "Vernetzung und Sondierung", "Kooperative F&E-Projekte", "Komponentenentwicklung und Demonstrationsvorhaben" sowie "Begleitmaßnahmen" bewerben können, nicht schlecht an. "Wir wurden drei- bis achtfach überzeichnet. Das ist für uns ein sehr gutes Zeichen", berichtet Johannes Scheer, zuständiger Programmanager für Kiras bei der Forschungsförderungsgesellschaft (FFG). Im Zeitraum von 2005 bis 2013 stehen insgesamt 105 Millionen Euro Fördergelder bereit; 2005/06 waren es elf Millionen Euro, ab diesem Jahr werden es zwischen elf und zwölf Millionen jährlich sein.

"Es ist auch eine industriepolitische Maßnahme", berichtet Grimm. Es ginge nämlich auch darum, "die klassische Rüstungsindustrie in eine moderne und weltmarktfähige Sicherheitsindustrie zu überführen", sagt Grimm. Das Besondere an den österreichischen Projekten, von denen die meisten auf ein bis zwei Jahre angelegt sind: An jedem sind Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschafter beteiligt, die sicherstellen sollen, dass auch kritische Fragen im Spannungsverhältnis zwischen Freiheit und Sicherheit berücksichtigt werden. "Solche Diskussionen finden bei uns auf Projektebene statt", sagt Grimm. "Mit dieser Entscheidung gehören wir zur Avantgarde. Wir hatten es damit zunächst nicht leicht." Inzwischen haben auch andere europäische Länder- wie etwa Deutschland - die österreichische Sicht in ihren Programmen übernommen.

Ein weiterer wichtiger Grundsatz bei Kiras: Sicherheit ist ein öffentliches Gut und wird öffentlich produziert. Die "Bedarfsträger" wie etwa die Rettung, Polizei und Feuerwehr sitzen daher immer mit am Tisch. "Die Nutzer sind immer ein Teil des Konsortiums, damit nicht am Bedarf vorbei entwickelt wird", sagt Grimm. Und damit zum Beispiel der Zoll nicht erst bei der Vorstellung des neuen Grenzkontrollsystems sagt: "Passt nicht."

Bei den bislang eingereichten Projekten geht es anteilsmäßig nur am Rande um Terrorismus oder Sabotage. Häufiger vertreten sind Projekte zum Schutz vor Naturgefahren wie Lawinen, Überschwemmungen oder anderen Katastrophen.

Dritter Schwerpunkt sind technische Sicherheitsrisiken wie zum Beispiel Entgleisungen oder Chemiestörfälle. Ein vierter Aspekt beschäftigt sich mit den Geistes- und Kulturwissenschaften im engeren Sinne - mit subjektiven Bedrohungsszenarien und was man dagegen unternehmen kann. Dabei geht es etwa um eine bessere Zusammenarbeit der psychosozialen Dienste oder der Blaulichtorganisationen.

Europäisches Thema

Auch im europäischen Rahmen boomt derzeit die Sicherheitsforschung, ein Begriff übrigens, der erst nach dem 11. September geprägt wurde. Im Rahmen des 7. EU-Forschungsrahmenprogramms (2007 bis 2013) wird das Thema Sicherheit erstmals als eigener Schwerpunkt angesprochen - mit dem Fokus auf innere Sicherheit.

Allerdings fehlen bei dem erst im Dezember 2006 gestarteten Programm noch konkrete Projekte. Derzeit gibt es die ersten Aufrufe zu Einreichung von Projektvorschlägen; es werden kompetente Gutachter zur Auswahl gesucht. Vorläufer der EU-Bemühungen waren 2004 bis 2006 das Programm "Preparatory Action for Security Research" (PASR; Umfang: 45 Millionen Euro) sowie der Beirat für Sicherheitsforschung "ESRAB", der die Grundlagen des Rahmenprogramms erarbeitet hat.

Insgesamt stehen den Teilnehmern des EU-Forschungsrahmenprogramms 54,5 Milliarden Euro zur Verfügung. Für die gewünschten grenzüberschreitenden Kooperationsprojekte zwischen Universitäten, Industrie und Forschungszentren auf dem Gebiet der Sicherheitsforschung sind 1,4 Milliarden Euro reserviert, rund 180 Millionen Euro jährlich.

"Auch hier können und sollen sich österreichische Firmen beteiligen. Auch diejenigen, die bereits bei Kiras mitmachen", betont Scheer von der FFG. Ein Beispiel für die eingereichten Anträge, das schon genannt werden kann, ist das "Rescue-Net". Ein Konsortium unter Leitung der Forschungsgesellschaft Salzburg Research will in einem Pilotprojekt ein dynamisches Evakuierungssystem zur Marktreife bringen.

Die Salzburger Firma Flexit hat eine intelligente, dynamisch schaltbare Pfeilanzeige für Notausgänge entwickelt. Sie soll Menschen, die vor Feuer flüchten, stets in die optimale Richtung lenken - gesteuert durch ein zentrales Management-System.

(Johannes Klostermeier/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23.5. 2007)