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EN MASSE

Einsatzsystem für Großevents mit Multi-Sensor Personenstromanalyse zur Echtzeitlagevisualisierung und Kurzfristprognose


Bei Massenveranstaltungen kommt es immer wieder zur Gefährdung von Personen, in Fällen wie am Bergisel (Innsbruck) am 4.12.1999 oder bei der Loveparade am 24.7.2010 sogar zu Todesfällen und Schäden an öffentlichen Infrastrukturen. Trotz umfangreicher Planung von Sicherheitskonzepten im Voraus und der behördlichen Genehmigung anhand genauer Personenzahlengrenzen und dynamischer Entwicklungen treten immer wieder tragische Zwischenfälle auf. Der Grund ist das oftmalige Fehlen von genauen Informationen über die aktuelle Personenzahl, Dichte und die räumliche Verteilung am Veranstaltungsgelände. Aufgrund der immer noch bestehenden großen Herausforderung Fußgängerströme zuverlässig zu erheben, erfolgt in der Praxis die Feststellung der Füllung von Bereichen vorwiegend durch sogenannte „Späh“-Ordner, die in einem regelmäßigen Report die Situation vor Ort an das Lagezentrum durchgeben. Ergeben sich kritische Situationen, nehmen die Ordner per Funk Kontakt zur Einsatzleitung auf. Dies kann schon viel zu spät sein, um noch angemessen reagieren zu können. Für die Sicherheit von Großveranstaltungen sind verlässliche Informationen unabdingbar.

Im Rahmen des Projekts ist vorgesehen eine hybride Methode zu entwickeln, die unterschiedliche Sensoren, aus unterschiedlichen Einsatzgebieten, für eine zuverlässigere Erfassung von Besucherströmen zusammenführt. Das Spektrum der Erhebungsmethoden reicht dabei von automatischen Personenzählsensoren, über Personenverfolgung via Bluetooth, Mobilfunkdaten und mobilen Sensoren, bis hin zu Auswertungen von Personendichten und Geschwindigkeiten auf Videobasis. Für verschiedene Events sollen Sensorkombinationen gefunden werden, die einerseits die notwendigen Informationen bereitstellen und andererseits für Veranstalter leistbar sind.

Eine komplette Abdeckung des Veranstaltungsgeländes mit Sensoren zur Personenstromanalyse ist viel zu aufwendig und extrem kostspielig. Aus diesem Grund wird versucht die Personendichten, in Gebieten die nicht durch Sensoren erfasst sind, mit Hilfe von Simulationen zu ermitteln. Dadurch wird es möglich, die Anzahl der notwendigen Sensoren zu reduzieren. EN MASSE wird Empfehlungen geben, wie an neuralgischen Punkten durch die Kombination unterschiedlicher Sensoren, Grundinformationen erhoben und die Gesamtverteilung ausreichend genau bestimmt werden kann. Der Abgleich von technologisch erfassbaren Parametern mit Wissen über das Personenverhalten im Angst- und Panikzustand wird durch die Einbindung von Psychologen sichergestellt und in der Simulation Berücksichtigung finden.

Ein Prognosemodell liefert ausgehend von der aktuellen Situation und dem zu erwartenden Zustrom, abgeleitet aus Mobilfunkdaten, in Verbindung mit dem Simulationsmodell, Kurzfristprognosen mit unterschiedlichen Zeithorizonten. Durch die Kurzfristprognose wird es somit möglich, bereits vorab kritische Regionen zu identifizieren und frühzeitig darauf zu reagieren.

Die fusionierten und aufbereiteten Multi-Sensor Daten, sowie die Ergebnisse aus Analyse, Simulation und Kurzfristprognosen werden in einem einfach zu verwendenden Lagebildsystem zusammengeführt. Sie werden einfach erfassbar dargestellt, erleichtern die Beurteilung der Situation und unterstützen Entscheidungsprozesse auf Basis schneller verfügbarer, genauerer und objektiverer Informationen. Über mobile Lösungen können gezielt weitere Daten erhoben bzw. Security-Teams vor Ort mit aktuellen Informationen versorgt werden. Weiters erfolgt eine analysebasierte Lenkung der Aufmerksamkeit des Operators auf potentiell kritische Situationen in überwachten Bereichen. Eine Archivierung aller Informationen zur Dokumentation ermöglicht dabei Informationen und Situationen zu bestimmten Zeitpunkten und Veränderungen in definierten Zeiträumen darzustellen und somit Entscheidungen im Nachhinein zu verifizieren bzw. mögliche Optionen abzuleiten.

Für die Entwicklung, Demonstration und Evaluierung wurde mit dem Nova Rock Festival, ein Veranstaltungsgelände gewählt, das eine entsprechende Größe und Komplexität aufweist und typische Veranstaltungen repräsentiert. Demonstriert werden soll die technologische Reife, die ökonomische Machbarkeit, die Einbindung in reguläre Abläufe der Infrastrukturbetreiber und die Übertragbarkeit auf ähnlich strukturierte Infrastrukturen. Nova Music, der Veranstalter des Nova Rock Festivals ist mit einem Letter of Intent in das Projekt eingebunden und unterstützt das Konsortium bei Anforderungsspezifikation, Datenerhebung und Demonstration. Zusammen mit den Bedarfsträgern in Form von Projektpartnern wird gewährleistet praxisnah fundierte Anforderungen zu definieren und deren Lösungen umzusetzen.

EN MASSE schafft somit eine Basis für ein System mit Lagebild- und Zukunftsanalyse, sowie modellbildungs- und simulationsgestützte Entscheidungshilfe zur Erhöhung der Sicherheit bei Großveranstaltungen. Die Ergebnisse der kooperativen Komponentenentwicklung und des Demonstrationsvorhaben werden zu Projektende evaluiert und die Möglichkeiten zur Weiterentwicklung bis hin zur Überführung in ein technisch ausgereiftes Einsatzsystem erarbeitet.

Projektleitung
DI Helmut Schrom-Feiertag, Österreichisches Forschungs- und Prüfzentrum Arsenal Ges.m.b.H. – AIT Mobility

Projektpartner
Joanneum Research Forschungsgesellschaft mbH
SPI Intelligence Services GmbH
c.c.com Andersen & Moser GmbH
Wagner Sicherheit GmbH
BM.I Bundesministerium für Inneres

Kooperationspartner
Nova Music Entertainment GmbH
Dr. Günther Fleck, Institut für Human- und Sozialwissenschaften, Landesverteidigungsakademie
Dr. Wolfgang Klobassa, Rechtsanwalt

Kontakt
DI Helmut Schrom-Feiertag
Mobility Department
Dynamic Transportation Systems
AIT Austrian Institute of Technology
Österreichisches Forschungs- und Prüfzentrum Arsenal Ges.m.b.H.
Giefinggasse 2 | 1210 Vienna | Austria
M +43(0) 664 825 10 03 | F +43(0) 50550-6439
helmut.schrom-feiertag@ait.ac.at | http://www.ait.ac.at


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