KIRAS Sicherheitsforschung

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PARSIFAL - PARTIZIPATIVE SICHERHEITSFORSCHUNG IN AUSBILDUNG UND LEHRE IN ÖSTERREICH

PARSIFAL führt Erhebungen an Hot Spots in Österreich durch und implementiert die Ergebnisse gleichzeitig in die polizeiliche Ausbildung von Führungskräften

Ziele
Das Projekt „Partizipative Sicherheitsforschung in Ausbildung und Lehre in Österreich“ verbindet empirische Erhebungen zur subjektiven Sicherheit mit der Implementierung der Ergebnisse in die polizeiliche Lehre. Diese Implementierung der Studienergebnisse erfolgt exemplarisch durch die Ausbildung von polizeilichen Führungskräften im Bachelor-Studiengang „Polizeiliche Führung“ der Fachhochschule Wiener Neustadt. Dadurch wird nicht nur der umfassende Sicherheitsbegriff des Sicherheitsforschungsprogramms KIRAS weiterentwickelt, sondern es werden auch Aus- und Fortbildungsmaßnahmen ins Zentrum des Projektes gestellt.

Ziel ist es, die in der Studie erworbenen Ergebnisse, über drei Semester und zwei Jahrgänge hinweg, in die polizeiliche Lehre zu implementieren. Es soll nicht nur detailliertes Wissen über subjektive Verunsicherungsphänomene in unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen generiert, sondern auch konkrete Szenarien für ausgewählte Hot Spots in Österreich erstellt werden. Unter Hot Spots werden Orte verstanden, an denen Konflikte zwischen verschiedenen Personen aufgetreten sind.

Inhalt - Umsetzung
queraum. kultur- und sozialforschung ist gemeinsam mit den ProjektpartnerInnen des Bundesministeriums für Inneres, des Kompetenzzentrums für empirische Forschungsmethoden der Wirtschaftsuniversität Wien, des Instituts für Rechts- und Kriminalsoziologie und der Fachhochschule Wiener Neustadt für die Durchführung der Studie zuständig.

Die Erhebungen werden an sieben Hot Spots in österreichischen Städten durchgeführt. Der thematische Fokus liegt hierbei auf den Interaktionen der unterschiedlichen NutzerInnengruppen, welche auf den Plätzen zum Teil konflikthaft aufeinandertreffen. Für die Erstellung konkreter Szenarien an den Hot Spots werden die NutzerInnengruppen (Exekutive, AnrainerInnen, soziale Arbeit, Handel u.A.) aktiv in die Erhebungsphase integriert, damit ein vielfältiges Bild der diversen Platzdefinitionen entstehen kann.

Für die methodische Umsetzung der Studie wurde ein ethnografisch-sozialräumlicher Forschungsansatz gewählt. Dieser eignet sich besonders gut für die Erhebung und Darstellung von Faktoren, die subjektive (Un-)Sicherheit erhöhen und senken können. Weiters bietet die Ethnografie vielfältige Möglichkeiten, um unterschiedliche NutzerInnengruppen aktiv in den Forschungsprozess einzubinden und sie als ExpertInnen wahrzunehmen: In der ersten Phase sind qualitative Interviews, teilnehmende und nicht-teilnehmende Beobachtungen, partizipative Stadtteilbegehungen sowie ethnografische Gespräche geplant. In der zweiten, szenariobasierten Phase wird die qualitative Vignettenanalyse eingesetzt. Ziel dieser Analyse ist es, subjektives Unsicherheitsempfinden hinsichtlich eines konkreten Vignetteninhaltes zu erheben und aus den gewonnenen Erkenntnissen Schulungsmaterial für die polizeiliche Lehre zu entwickeln. Der Vignetteninhalt beschreibt eine konkrete Situation vor Ort, wie zum Beispiel das Zusammentreffen von NutzerInnen des öffentlichen Verkehrs mit marginalisierten Personen. Diese Situationen werden auf Basis der vorangegangenen Erhebungen erstellt und sind daher nahe an der Platzrealität und somit praxisrelevant.

Bei der Projektumsetzung steht die enge Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Wiener Neustadt im Vordergrund. Durch die Einbeziehung der Studierenden in die Datenerhebung erhalten zukünftige polizeiliche Führungskräfte eine praxisnahe wissenschaftliche Ausbildung und werden in ihrem Tätigkeitsbereich SpezialistInnen für das Thema der subjektiven Sicherheit.

Parallel zu den Erhebungen vor Ort werden drei Produkte entwickelt, die die Implementierung der Studienergebnisse in die polizeiliche Lehre ermöglichen:

  • Schulungsmaterialien für die Lehre,
  • Anleitungen zur Implementierung von Wissen in die polizeiliche Grundausbildung und Weiterbildung und
  • Szenarien für die ausgewählten Hot Spots.

Der innovative Gehalt des Projektes besteht in der engen Zusammenarbeit von SozialwissenschafterInnen und zukünftigen polizeilichen Führungskräften. Dieser partizipatve Ansatz sichert Ergebnisse, die für den polizeilichen Alltag praxisrelevant sind.

Ansprechperson
Dr.in Katharina Miko
miko@queraum.org
Mobil: 0043-650-300 60 75
www.queraum.org