KIRAS Sicherheitsforschung

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F&E-Dienstleistungen > 2017

kURAGE: Erforschung von Zivilcourage und deren Förderung durch spielerische Erfahrungen

Auf Basis der in zwei Feldexperimenten identifizierten psychologischen Faktoren für zivilcouragiertes Verhalten werden spielerische Konzepte zur Förderung von Zivilcourage erarbeitet.

Der Förderung von Zivilcourage in der Bevölkerung wird aufgrund der in der jüngeren Vergangenheit stattgefundenen Ereignisse (zum Beispiel sexuelle Übergriffe) immer mehr Bedeutung beigemessen. Im Alltag kommt es zu sozialen Situationen, die ein Einschreiten von PassantInnen und deren Hilfeleistung zugunsten einer oder mehrerer Personen in Not erfordern. Mit dem Bewusstsein für die Notlage selbst müssen PassantInnen die Berechtigung sowie die Notwendigkeit eines Eingreifens abwägen, ohne dabei ihre eigene Sicherheit zu gefährden.

Im Rahmen dieses Projektes werden bisher wenig beachtete Einflussfaktoren auf prosoziales Verhalten in Zusammenhang mit Zivilcourage untersucht. Während Zivilcourage und andere prosoziale Verhaltensweisen ähnliche Vorbedingungen aufweisen, ist es möglich, dass bestimmte Faktoren aufgrund der unterschiedlichen Motivation und Natur von Zivilcourage unterschiedlich stark zu tragen kommen: So ist es zu erwarten, dass das Einnehmen einer Oppositionsrolle durch Alter, Geschlecht, Kultur und Werte begünstigt oder behindert werden kann. Besonderes Augenmerk der Untersuchungen soll auch auf spezielle Persönlichkeitsfaktoren und die generelle Einstellung zu gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Zukunft gelegt werden. Stabilität und Verankerung in einer Gruppe wurde als wichtiger Einflussfaktor für prosoziales Verhalten verortet. Daher wird erforscht, inwiefern persönliche Einstellungen zu wirtschaftlich-gesellschaftlicher Stabilität und Sicherheit ähnliche Auswirkungen zeigen. Dies ist besonders in Bezug auf die derzeitige wirtschaftlich- gesellschaftliche Entwicklung von großer Bedeutung. Zwei realitätsnahe Feldexperimente dienen der Gewichtung der zuvor in einer umfangreichen Meta-Analyse identifizierten Einflussfaktoren. Des Weiteren werden in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Inneres (BMI), Abteilung II/13 (Zivil und Katastrophenschutz) realitätsnahe Szenarien erarbeitet. Basierend auf den Ergebnissen der Feldexperimente wird ein Konzept für ein interaktives, persuasives Spiel entwickelt, das dazu dienen soll, Situationen, in welchen ein Einschreiten bzw. zivilcouragiertes Handeln erwünscht ist, zu simulieren. 

Das Spielkonzept soll Einschränkungen von aktuell verwendeten Trainingskonzepten überwinden und somit effektiv prosoziales Verhalten in Zivilcourage erfordernden Situationen fördern. Viele der existierenden Trainings sind auf etablierte und vorhandene Gruppen ausgelegt und konzentrieren sich auf einen punktuellen Einsatz in einer Gruppensituation. Die Entwicklung technologiegestützter Trainings- und Maßnahmenkonzepte, welche spielerische Handlungskompetenzentwicklung und „Probehandeln“ ermöglichen, jedoch von einer Gruppensituation abgekoppelt sind, ist daher als besonders relevant anzusehen. Auch treten Situationen, in denen ein Einschreiten auf Basis von prosozialem Verhalten notwendig ist, oft abseits von Gruppensituationen auf (bspw. am Arbeitsweg). Durch den Wegfall der Gruppensituation wird auch ein Umfeld geschaffen, in welchem leichter aus der üblichen sozialen Rolle herausgetreten werden kann. Technologiebasierte Trainings können des Weiteren durch Simulationen und mehrmaliges Erleben bestimmter Zivilcourage erfordernder Situationen eine bessere Erfahrung von Selbstschutz und Handlungskonsequenzen anbieten als dies im klassischen Situationstheater der Fall ist. Die in kURAGE konzeptionierte technologische Komponente ermöglicht es, Handlungsalternativen ohne Selbstgefährdung auszuprobieren und Erfahrungen für reale Situationen zu sammeln. Die so erhaltenen Ergebnisse können vom BMI als innovative und spielerische Methoden zur Förderung von Zivilcourage ein- bzw. umgesetzt werden.

ProjektleiterIn 
Stephanie Schwarz AIT 
Austrian Institute of Technology GmbH   

Giefinggasse 2, 1210 Wien   
Telefon +43 664 88964933   
E-Mail stephanie.schwarz@ait.ac.at