KIRAS Sicherheitsforschung

2016

Zivilcourage 2.0

Mechanismen und Wirkungsweisen zivilcouragierter Interventionen durch Jugendliche im Umgang mit wahrgenommener Gewalt im Internet

Problemstellung und Relevanz: Jugendliche sind besonders häufig Opfer von oft massiver, aktiv ausgeübter, medial vermittelter Gewalt, wie z.B. Cybermobbing in Form von schwer übergriffigen Postings, rassistischen oder anzüglichen Beleidigungen, Erpressung oder sexuelles Bedrängen mit pornographischen Inhalten, Konfrontation mit Schockvideos (z.B. Hinrichtungsszenen), missbräuchliche Verwendung des Facebook-Kontos oder Erstellung von Fakeprofilen bis hin zu physischer Gewalt- oder Tötungsandrohungen. Diese Übergriffe, die z.B. in Sozialen Netzwerken, auf Foto- und Videoplattformen, beim Chatten oder via Instant Messenger stattfinden, fallen in der Regel noch massiver aus als im realen Alltag, da die virtuelle Distanz und die Anonymität zu zunehmender Enthemmung der TäterInnen führt. Häufig ist den TäterInnen die emotionale Tragweite ihrer Handlungen nicht einmal bewusst. Für betroffene Cyber-Opfer ist es besonders belastend, dass solche Übergriffe zusätzlich vor einem ungleich größeren, unkontrollierten Kreis unbeteiligter Dritter (Online-Bystander) öffentlich zur Schau gestellt werden - dabei hat gerade diese Öffentlichkeit hohes Interventionspotenzial. Trotzdem scheint Zivilcourage im Internet für Jugendliche kein Thema zu sein.

Zielsetzung: Das Projektvorhaben rückt daher das bislang in der Sicherheitsforschung und -praxis kaum berücksichtigte hohe Präventionspotenzial jugendlicher Online-Bystander in den Mittelpunkt. Ziel ist es, jene zugrunde liegenden Faktoren, Mechanismen und Wirkungsweisen zu identifizieren, die zivilcouragiertes Handeln Jugendlicher in Online-Kontexten fördern oder hemmen. Dadurch wird ein dringend notwendiger Beitrag zur Grundlagenforschung geleistet. Weiters wird in Zusammenarbeit mit den ProjektpartnerInnen ÖIAT/Saferinternet.at, der österreichischen Informationsstelle zur sicheren und verantwortungsvollen Nutzung von digitalen Medien, dem Mauthausen Komitee Österreich (www.zivilcourage.at), das österreichweit professionelle und thematisch breit angelegte Zivilcouragetrainings für Jugendliche anbietet, sowie dem Büro 1.6 Kriminalprävention und Opferhilfe des Bundeskriminalamts, ein jugendgerechtes Interventionsrepertoire sowie ein umfassendes Informations-, Schulungs- und Trainingsangebot ausgearbeitet, um Zivilcourage von Jugendlichen auch im Internet nachhaltig zu fördern. 

Methodische Umsetzung: Die Studie startet mit einer explorativen Phase, in der mittels Gruppendiskussionen mit Jugendlichen und ExpertInneninterviews nach typischen Szenarien gesucht wird, in denen zivilcouragiertes Verhalten Jugendlicher in Online-Kontexten gefragt ist. Weiters wird der Frage nachgegangen, unter welchen Bedingungen hier Zivilcourage gelingen kann und welche Handlungsmodelle dafür geeignet sind. In einer quantitativen Vignettenstudie unter 14- bis 18-Jährigen werden diese Bedingungen und Handlungsoptionen systematisch anhand gezielt variierter Online Zivilcourage-Settings untersucht. Aufbauend auf den empirischen Erkenntnissen werden in Kooperation mit den ProjektpartnerInnen konkrete Zivilcourage-Trainingskonzepte, gezielte (Online)-Informationskampagnen, sowie Schulungs- und Lehrangebote für Jugendliche und ProfessionistInnen der Jugendarbeit erarbeitet.

Projektleitung
Ass. Prof.in Mag.a Dr.in Ulrike Zartler, Institut für Soziologie der Universität Wien 

Weitere Projekt- bzw. KooperationspartnerInnen
ÖIAT - Österreichisches Institut für angewandte Telekommunikation / saferinternet.at
MKÖ -Mauthausen Komitee Österreich (www.zivilcourage.at)
KPH - Kirchliche Pädagogische Hochschule Wien/Krems
BM.I – Bundeskriminalamt, Büro 1.6 Kriminalprävention und Opferhilfe 

Kontakt
Ass. Prof.in Mag.a Dr.in Ulrike Zartler
Universität Wien, Institut für Soziologie  
A-1090 Wien, Rooseveltplatz 2
Tel: 01/4277-48244
E-Mail: ulrike.zartler@univie.ac.at 
URL: www.soz.univie.ac.at 

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