KIRAS Sicherheitsforschung

2006

SOSguide - Safety Monitoring System and Remote Guidance

Im Projekt SOSguide geht es um ein Konzept und eine Teststellung für ein um Elemente der Navigation erweitertes Notrufsystem des Roten Kreuzes zur Ortung und Zielführung von Hilfe suchenden Personen.

Das Steiermärkische Rote Kreuz betreibt 94 Dienststellen und 360 Sanitätseinsatzfahrzeuge. Etwa alle 75 Sekunden wird ein Einsatzfahrzeug zu einem Einsatz berufen. Pro Jahr kommt es allein in der Steiermark zu etwa 550.000 Einsätzen verschiedenster Art. Bei etwa 15% davon - in über 82.000 Fällen - sind es Einsätze, bei denen es um das Überleben eines Menschen geht.

Um Zweifel über den Ort des eingegangenen Notrufs auszuräumen und fehlgeleitete Rettungsteams zu vermeiden, wird versucht, vom Anrufer eine möglichst genaue Ortsbeschreibung zu erhalten. Der zeitliche Aufwand dieses Vorgangs soll durch Mittel der Navigation auf ein Minimum reduziert werden. Die derzeitigen Bestrebungen, die Infrastruktur auf die Ortung von Notrufen über GPS auszubauen, sollen von diesem Projekt unterstützt werden. Bisherige Lösungen für die Ortung von eingehenden Notrufen stellten sich noch als sehr unbefriedigend dar, da sie keine kontinuierliche Überwachung bieten und zudem die nach einem Notruf nur einmalig verfügbaren Positionsdaten wenig aussagekräftig bezüglich ihrer Qualität und Zuverlässigkeit sind.

Das Projekt soll helfen, Probleme bei der Zielführung von Einsatzkräften zu bewältigen. Bearbeiter in der Einsatzleitzentrale sollen gleichzeitig auf den Rufenden beruhigend einwirken können, während sie einen Überblick über die aktuelle Situation vor Ort von der Leitstelle aus haben. Die Möglichkeiten der satellitengestützten Positionierung sollen mit dem aktuellen Stand der Telekommunikation verknüpft werden. Eine dadurch ermöglichte Visualisierung der herannahenden Rettungskräfte und des Einsatzortes hilft dabei, Einsatzzeiten zu reduzieren. Auch Personen, welche durch eine Sehbehinderung oder durch eingeschränkte geistige Fähigkeiten die Orientierung verloren haben, könnten durch das System von der Leitstelle aus an einen sicheren Ort geführt werden, indem ihre Gehrichtung und Position nach einer Alarmierung permanent überwacht werden. Der Bearbeiter in der Leitstelle hat mögliche Gefahren im Blick, während er Helfer oder auch Angehörige, die mit einer mobilen Navigations- und Kommunikationseinheit ausgestattet sind, zum Ziel leiten kann. Durch eine derartige Lösung soll die Flexibilität bei der Abwicklung eines Einsatzes gesteigert werden. So kann zum Beispiel auch eine direkte Sprechkontaktaufnahme des zu Hilfe kommenden Sanitäters mit einem Verletzten zur Beruhigung am Unfallort dienen, da das System auch eine beliebige Kommunikation zwischen dem Helfer, der Leitstelle und dem Hilfe Rufenden bieten soll.

Die Projektziele sind wie folgt definiert:

  • Erhebung des Ist-Zustands bei Notruf und Alarmierung
  • Definition der Anforderungen des Roten Kreuzes im Hinblick auf Kommunikation und Information
  • Definition von Datenschnittstellen
  • Auswahl und Evaluierung am Markt befindlicher Hard- und Software für Leistelle, Helfer und Rufenden
  • Erhebung und Auswahl geeigneter geographischer Daten
  • Entwicklung von Schnittstellen für die Sprach- und Datenkommunikation
  • Entwicklung einer Benutzeroberfläche für die Leistelle und die mobilen Einheiten der Helfer und Hilfe Suchenden
  • Evaluierung am Markt befindlicher, mobiler Notrufsysteme und Entwicklung eines Demonstrator-Prototypen für mobilen Notruf, Kommunikation und entfernte Zielführung
  • Schaffen einer Teststellung in Zusammenarbeit mit der Benutzergruppe

Projektleitung:
Institut für Navigation und Satellitengeodäsie
Technische Universität Graz
http://www.inas.tugraz.at

Projektpartner:
SOLVION information management
http://www.solvion.net
Österreichisches Rotes Kreuz, Landesverband Steiermark
http://www.st.roteskreuz.at

Kontakt:
Ao.Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr.techn. Manfred Wieser
Institut für Navigation und Satellitengeodäsie
TU Graz
Steyrergasse 30
A-8010 Graz
Tel.: +43 316 873-6348
Fax: +43 316 873-8888
Email: wieser@geomatics.tu-graz.ac.at
Web: http://www.inas.tugraz.at

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