KIRAS Sicherheitsforschung

2016

DURCHBLICK

Detektion unterschiedlicher unkonventioneller Spreng- und Brandvorrichtungen mittels intelligenter analytischer Sensorik.

In dem Projekt DURCHBLICK planen wir die Untersuchung und Kombination von verschiedenen Sensortechnologien zur robotergestützten Analyse von verdächtigen Objekten (z.B.: Gepäckstücke, Mülleimer, ...) im öffentlichen Raum.

Die Anschläge von Paris, sowie die Terrorwarnungen von Hannover und München in den letzten Jahren sind nur einige Beispiele dafür, wie konkret die Bedrohung durch Bombenanschläge aktuell ist. Insbesondere durch die zunehmende Verbreitung von Anleitungen zur Herstellung von improvisierten bzw. unkonventionellen Spreng- und Brandvorrichtungen (sogenannte USBVs [1] ) ergibt sich eine ernstzunehmende Gefährdung der öffentlichen Sicherheit. Daher müssen die Sicherheitskräfte in der Lage sein, verdächtige Objekte, wie etwa herrenlose Gepäckstücke, manipulierte Mülleimer, Gasflaschen, umfunktionierte Pyrotechnik und ähnliche verdächtige Gegenstände schnell, zuverlässig und mit einem möglichst geringen Eigenrisiko zu untersuchen. Aktuell setzen die zuständigen Einsatzkräfte für diese Zwecke einen fernlenkbaren Roboter ein, um das verdächtige Objekt mittels unterschiedlicher Sensorik wie Transmissions-Röntgen und optischen Kameras zu untersuchen und die Gefahrenlage einzuschätzen. Doch diese Technologie stößt nur allzu oft an ihre Grenzen. Einer der Gründe dafür ist, dass Objekte, wie verdächtige Koffer oder manipulierte Mülleimer, die an einer Wand angebracht sind, sind nur von einer Seite aus zugänglich sind. Der Inhalt ist dann mit der verfügbaren Technologie nicht berührungslos zu untersuchen. Solche Situationen bedeuten ein enormes Risiko sowohl für die Einsatzkräfte vor Ort als auch die Bevölkerung in der unmittelbaren Umgebung. Alle Informationen, die über diesen aktuellen Stand der Technik hinaus gewonnen werden können, tragen dazu bei, das Leben der zuständigen Einsatzkräfte und die öffentliche Sicherheit zu schützen.

Aus dieser aktuellen Bedarfslage heraus wurde das Projekt DURCHBLICK initiiert und vorangetrieben. Ziel des Projekts DURCHBLICK ist es daher, den Einsatzkräften ein leistungsstarkes Sensorik-System zur Verfügung zu stellen, welches den aktuellen Stand der Technik übertrifft. Es soll robotergestützt an die potenzielle Gefahrenquelle herangesteuert werden können, um schnell detaillierte Informationen über das Objekt zu sammeln, die mit derzeitig verfügbaren Systemen so nicht zugänglich sind.

Basierend auf einer detaillierten Bedarfsdefinition durch die Sicherheitsorganisationen werden für diesen Anwendungszweck potenzielle Sensortechnologien evaluiert und verglichen. Durch die Kombination mit anderen Sensoren wie Infrarot-Kamera, optische Sensoren (Laserscanner, Fotokamera) für die Vermessung und Sensorik zur Detektion und Identifikation von Radioaktivität, Gasen und flüchtigen Gefahrstoffen (Proton Transfer Reaction – Mass Spectrometry PTR-MS) können umfangreiche Daten zur Gefahreneinschätzung und Beweismittelsicherung gesammelt werden. Mittels Datenfusion dieser verschiedenartigen Sensordaten und einer effizienten, eigens für die Einsatzkräfte in Stresssituation zu entwickelnder, Benutzerschnittstelle werden die Daten für die Einsatzkräfte schnell erfassbar. Damit wird eine zuverlässige Lageeinschätzung aus sicherer Distanz möglich. Durch Tests und Demonstrationen unter realitätsnahen Bedingungen mit Einbeziehung der Endanwender, auch bereits während der Projektlaufzeit, wird gewährleistet, dass ein leistungsstarkes, nutzbares System entwickelt wird, welches einen deutlichen Vorteil im praktischen Einsatz gegenüber der aktuell verfügbaren technologischen Unterstützung bietet. Die Einbindung ethischer, soziologischer sowie juristischer Experten bei der Auswahl, Optimierung und schließlich dem Einsatz der verwendeten Technologien stellt sicher, dass im Rahmen der Entwicklung des intendierten Systems gesellschaftliche und rechtliche Aspekte entsprechend berücksichtigt werden.

[1] Definition USBV: http:// www.secupedia.info/wiki/USBV#ixzz3vbbscXt9 

Projektleiter:
Dipl.-Ing. Michael Hofstätter
AIT Austrian Institute of Technology GmbH

Projektpartner:
Bundesministerium für Landesverteidigung und Sport (BMLVS)
Johannes Kepler Universität Linz, Institute of Networks and Securityr
Vienna Centre for Societal Security - VICESSE
CBRN Protection GmbH
Ionicon Analytik Gesellschaft m.b.H.
IQSOFT Gesellschaft für Informationstechnologie m.b.H.
DI Dr. Heinz Stanek - Stancon

Kontakt:
Dipl.-Ing. Michael Hofstätter
Senior Research Engineer

Smart Sensor Solutions
Center for Digital Safety & Security

AIT Austrian Institute of Technology GmbH
Donau-City-Straße 1 | 1220 Vienna | Austria

T +43 (0) 50550-4202 | M +43 664 2351858 | F +43 (0) 50550-4125
michael.hofstaetter@ait.ac.at | www.ait.ac.at 

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