KIRAS Sicherheitsforschung

Thematischer Schwerpunkt

Die aktuelle Phase des Sicherheitsforschungsprogramms konzentriert sich auf den Schutz kritischer Infrastrukturen, da diesbezüglich großer Handlungsbedarf sowohl auf nationaler wie auch auf europäischer Ebene besteht (Einrichtung von EPCIP sowie eines Warn- und Informationsnetzwerk für wichtige Infrastrukturen (CIWIN). Eine spätere Ausweitung auf weitere Themenbereiche ist geplant.

"Kritisch" ist dabei ein Qualifizierungsmerkmal für herausragend wichtige Einrichtungen innerhalb des Infrastrukturbestandes. Als "kritische Infrastruktur" kommen somit jene Organisationen oder Einrichtungen mit wichtiger Bedeutung für das staatliche Gemeinwesen in Betracht, bei deren Ausfall oder Beeinträchtigung nachhaltig wirkende Versorgungsengpässe, erhebliche Beeinträchtigungen der nationalen und öffentlichen Sicherheit/staatliche Stabilität oder andere dramatische Folgen eintreten würden.

Die Abgrenzung zwischen wichtiger Infrastruktur und kritischer Infrastruktur erfolgt durch die zusätzliche Bedeutung nach Grad der Vernetzung, Frage nach der Interdependenz, Größe des Versorgungsgebiets und Bedeutung als Basis der Infrastruktur.

Sektoren

  • Energie
    (Öl- und Gaserzeugung, Raffinierung, Aufbereitung und Lagerung, inklusive Pipelines; Stromerzeugung; Strom-, Gas- und Öldurchleitung; Strom-, Gas- und Ölverteilung)
  • Wasser
    (Bereitstellung von Trinkwasser; Kontrolle der Wasserqualität; Eindämmung und Kontrolle von Wasserständen)
  • Lebensmittel
    (Bereitstellung von Nahrungsmitteln und Sicherstellung der Nahrungsmittelversorgung)
  • Gesundheitswesen
    (Stationäre und ambulante Behandlung; Medikamente, Seren, Impfstoffe und pharmazeutische Produkte; Bio-Laboratorien und Bio-Indikatoren)
  • Finanzwesen
    (privater Zahlungsverkehr; öffentliche Finanzmittel)
  • Öffentliche Sicherheit und Ordnung und öffentliche Verwaltung
    (Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung; Justizwesen und Strafvollzug; Regierungsfunktionen; Bewaffnete Kräfte wie z.B. Militär und Polizei; Zivilverwaltung; Katastrophenschutz; Post- und Kurierwesen)
  • Verkehr und Transport
    (Straßentransport; Schienentransport; Lufttransport; Binnenschifffahrt; Hochseetransport)
  • Wissenschaftliche Infrastruktur
  • Kommunikation und Information
    (Technologien und Netzwerke: Fernmeldewesen, Rundfunksysteme, Software, Hardware und Netze wie das Internet sowie Einrichtungen der Nationalen Sicherheit wie Führungs-, Leitsysteme, Sensoren und Überwachungssysteme usw.)

Einbindung von Bedarfsträgern

Gefährdungen und Bedrohungen für kritische Infrastruktur können ohne Einbindung von Bedarfsträgern in die Untersuchungen/ Projekte nicht beseitigt werden. Angestrebt wird dabei ein F&E-Kreislauf: durch die direkte Einbindung der Bedarfsträger soll nicht nur ein anwendungs- und ergebnisorientierter Technologieschub sichergestellt werden sondern durch Rückmeldung des Infrastrukturbetreibers auch eine reaktive Forschung, die marktgesteuert ist, und idealerweise auch nach der Laufzeit des Programms aufrechterhalten bleiben soll.

Ziel

Ziel der Projekte soll aber nicht nur die Verhinderung oder Beseitigung von Primärschäden physischer oder materieller Art wie Zerstörungen, Ausfall, Emissionen etc. sein, sondern vor allem auch die Verhinderung oder Beseitigung von Sekundärschäden sozial-psychischer oder volkswirtschaftlicher Art wie Vertrauensverlust, Sparverhalten der Bevölkerung, Zukunftsangst oder Panik. Sozial- und geisteswissenschaftliche Forschung müssen daher integraler Bestandteil der technologieorientierten Forschungsprojekte sein.

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